Santiago de Compostella, oder: Schafställe zu Herbergen

Die letzten drei Tage vor Santiago waren ziemlich lang und ziemlich warm. In As Seixas erleben wir nochmal die herrliche Ruhe vor dem Sturm: etwa sieben Leute In der Herberge, ein winziger Ort voller freundlicher Hunde und eine Kneipe mit unfreundlicher Bedienung – herrlich. In Lugo sind einige Pilgernde dazugekommen, ab Melide, am vorletzten Tag vereinigt sich der Weg mit dem Camino frances und wir treffen die Massen. Mir tut es leid für die Wanderer dort, die wohl permanent Leute vor und hinter sich hatten. Ich erkenne den Weg auch nicht wieder, außerdem gibt es jede Menge Plastekneipe. Diesen Weg würde ich nicht mehr empfehlen, leider.

Wenige Kilometer vor dem Ziel schlägt der Weg hart nach rechts, um den Flughafen. Kurz darauf kommt man nach Monte de Gozo, von wo aus man die Kathedrale in Santiago sehen kann. Der Einmarsch im Ziel ist dann eher unspektakulär bis unschön, denn vor der wirklich wunderschönen Altstadt folgt Vorstadt, Neustadt u.s.w., und dann ist man auf einmal da.

Maik und Jill aus Minnesota, zwei mit denen ich gern Zeit verbrachte.

Von Santiago wollt ich mich bis Santiago nicht trennen.

Die Kommerzialisierung des Weges scheint grenzenlos, die Herbergen werden perfektioniert, ein riesiger Coda Cola-Freizeitpark. Schade drum.

Wer will schon so wandern? Und das ist die Nebensaison. Zugegeben, ganz so war es nicht immer am letzten Tag, aber für mich viel zu viel.

Santiago ist recht klein, reichlich 100.000 Leute, jeder Dritte ist Student. Die Altstadt wird den Touristen und Pilgern überlassen, in der Neustadt wird gelebt und gearbeitet. Vor der Kathedrale trifft man alle Pilger und man hat das Gefühl, dass bald „alle da sein sollten“, aber der Strom reißt nicht ab.

Die vorletzte Nacht in der Herberge ist laut, die Pilger empfinde ich als nicht allzu rücksichtsvoll. Ich bin froh über mein Airbnb-Zimmer vor der Abreise. Raquel, meine Vermieterin nimmt mich mit ans Meer bei Pontevedra.

Das war’s, fünf Wochen Laufen, ein paar Tage Santiago, die Rückreise führt über Barcelona, wo ich nochmal Santiago treffe, und seine Eltern, die den Sommer hier verbringen.

Danke für’s Lesen! War ein wundervolles Abenteuer, voller Höhen und Tiefen, Euphorie und Niederschlag. Eine tolle Art zu Reisen. Nun geht’s noch eine knappe Woche in die Provence: endlich Urlaub.

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