Tag 19: San Vicente de la Barquera – Pendueles

Ein toller Tag. Er beginnt schrecklich. Und der Tatort wird in Spanien leider nicht angeboten.

Ich finde es schon deprimierend, nach dem Kaffee in eine noch dunkle, stark regnende Umgebung aufzubrechen. Es geht bergauf, zugegeben, eine schöne Aussicht folgt. Aber knapp 30 Kilometer stehen auf dem Programm. Wieder viel Landstraße, für die Entscheidung in ein paar Tagen ein sicher gewichtiges Argument: der Primitivo hat kaum Asphalt. Ganz viele Warum-mache-ich-das-wo-ist-der-nächste-Flughafen-Momente. Aber ab und zu öffnet sich der Himmel und damit kommt etwas Mut und Freude.

Die Socken in den Sandalen sind längst durch, es wird schlammig, egal. Immerhin, das rechte Bein macht wieder mit, gestern war vor allem die Wade recht verhärtet, die Schmerzen wanderten am Sonntag vom Blasenzeh durch ausgleichendes Gehen in den Fuß, in die Wade, in den Oberschenkel, in die Hüfte. Heute, kaum Probleme. „It’s amazing how resilient the human body is.“, wiederholt Rob mehrfach am Tag und lacht dann, weil wir alle den exakten Wortlaut kennen.

Nach einer Strecke entlang von Gleisen kommen wir nach Unquera, es ist warm und trocken, der Tag scheint fast geschafft obwohl noch elf Kilometer kommen. Das Wetter macht euphorisch, es geht durch kleine, farbenfrohe Orte wie Colombres, die Herberge verspricht Waschmaschine, Abendessen und Frühstück gegen Spende, extremer Luxus. Das Laufen macht Spaß, als würden wir von Ort zu Ort springen, eine Pause würde jetzt gar nicht passen. Wir überqueren den Deva und kommen ins Fürstentum Asturien, nach dem Baskenland und Katabrien der dritten und, vor Galizien, vorletzten Region. Wir treffen auf recht junge Deutsche, die uns auf mechanische Art ausfragen, schon ulkig. Aber mit ihm, Silas, laufe ich dann eine ganze Weile ganz angenehm.

Die Herberge ist total gemütlich, nach acht Stunden ohne große Pause ein Segen, Menu del dia, Planung des nächsten Tages. Die Deutschen total in der Überzahl. Drei von ihnen müssen weiterziehen, weil sie nur acht Kilometer gelaufen sind, oft geben Herbergen Orte an, von denen man an diesem Tag mindestens losgelaufen sein sollte, um die Betten für Weitgelaufene zu reservieren. Javier, der auch in der Herberge wohnt, wäscht und trocknet unsere Sachen, aber nur Kleine, um die Maschine nicht zu überlasten. Daß auch der Weg insgesamt überlastet ist merkt man auch wieder überall, die Suche nach Betten ist für viele ein Thema, man möchte nicht hören dass man noch acht Kilometer weiter muss wenn man denkt, angekommen zu sein, aber es passiert, auch dass Leute auf dem Boden schlafen. Noch ein Argument für den Primitivo.

Steckdosen am Bett und Handtücher im Bad werden zum Luxus. Menschen schlafen, tippen Dinge in ihre Telefone und pflegen ihre Füße. Draußen ist es nun warm und morgen soll es sonnig sein. Eigenlich hab ich voll Bock auf den Primitivo, der Weg im Weg. So schlimm sieht das Höhenprofil nicht aus.

Ohne die zwei Tage Anreise bin ich nun 17 Tage gelaufen, 375 Kilometer sind es, fast Halbzeit.

29 km

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